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Gute Ideen kommen schrittweise

Brainwriting, ABC-Liste, Mind Mapping, Kopfstandtechnik oder Semantische Intuition – die Liste der Kreativitätstechniken – zum Beispiel für Workshops – ist lang. Nicht nur für die Kreativbranche, sondern zweifellos für alle wirtschaftlichen Bereiche zählt das Entwickeln und Überarbeiten von Konzepten, Produkten, Dienstleistungen oder Prozessen zu den wichtigsten Aspekten ihrer Arbeit überhaupt. Die Bandbreite an Veröffentlichungen ist enorm – vom online Artikel bis zur wissenschaftlichen Publikation. Eine Gemeinsamkeit  kennzeichnet die meisten von ihnen: Der Schwerpunkt liegt stets auf der reinen Generierung von Ideen.

Der kreative Prozess besteht aber natürlich nicht nur aus der simplen Erzeugung irgendwelcher Ideen. Er beginnt schon mit der klaren Analyse des Problems und der Definition eines entsprechenden Ziels. Und er endet mit einer lösungsorientierten Analyse der Ergebnisse.

Oft genug wird diesen Phasen nicht genug Raum gegeben. Im Arbeitsalltag, zwischen verschiedenen Projekten und mit wenig zeitlichem Spielraum, scheint es opportun, hier Abkürzungen zu nehmen. Fragestellung und Technik lassen sich ja auch noch auf dem Weg zum Meeting kurz ausarbeiten. Die Ergebnisse wiederum soll der Praktikant schnell auswerten – schließlich wartet schon der nächste Kunde. Wer sich jetzt angesprochen fühlt, darf ruhig schmunzeln. Die Erfahrung die wir in der täglichen Arbeit in unserer Agentur machen zeigt jedoch, dass sich das Mehr an Zeit und Aufwand an anderer Stelle bezahlt macht. Effizientere Abläufe, eine Vielzahl an hochwertigen Ideen und klar ausgearbeitete, zielorientierte Lösungen sind schließlich das wonach wir alle suchen.
Nicht umsonst sind Problemerkennung, Zielsetzung und Wahl der Techniken auch ausführlicher Bestandteil von etablierten Konzepten wie Design Thinking oder Barcamp. Es lohnt sich, diesen Bereichen Aufmerksamkeit zu schenken.

Orientierung

Die Grundlage für jede kreative Lösung muss eine gezielte Analyse der Situation sein. Es gilt sich Klarheit zu verschaffen über Hintergründe und mögliche Probleme. Nur so kann die Basis für spätere Ideen gelegt werden und der entsprechende Prozess lösungsorientiert gestaltet und Erfolgskriterien definiert werden. Manchmal genügt schon die klare Formulierung eines Ziels, um einen festgefahrenen Prozess wieder in Gang zu setzen. Diese Phase stellt andere Anforderungen an die Beteiligten als die spätere Ideenfindung. Hier muss Problembewusstsein entwickelt werden. Strategisches Denken und eine klare Zielorientierung sind erforderlich. Andere Spielregeln finden hier Anwendung und es kann sich auszahlen eine andere Räumlichkeit, einen anderen Aufbau und alternative Hilfsmittel zu wählen, um diese Phase klar von den darauffolgenden zu trennen und die Teilnehmer „einzustimmen“. In Prozessen, die mehr zeitlichen Spielraum bieten, lohnt es sich auch solche Phasen durch entsprechende Aufwärmspiele einzuleiten. Hierfür gibt es eine Vielzahl an geeigneten Spielen, die den Fokus auf Problembewusstsein legen. Spiele wie der „Gordische Knoten“ oder der „Aufgabenkonflikt“ erfordern lösungsorientierte Kommunikation und zeigen den Teilnehmern wie eine unübersichtliche Situation im Rahmen der Gruppe schnell geklärt werden kann. Darüber hinaus wird nach einer angemessenen Orientierungsphase und einer eindeutigen Zielsetzung die Wahl der nun folgenden Methoden nicht zur reinen Willkür oder schlicht zur Wiederholung der „Klassiker“. Stattdessen ist es möglich ganz bewusst geeignete Techniken auszusuchen, die für jeden einzelnen Schritt das richtige Werkzeug darstellen. 

  • Problembewusstsein
  • Analyse
  • Erfolgskriterien definieren
  • Grundlage für Methodenwahl

Auswertung

Am anderen Ende des kreativen Prozesses wartet die Auswertungsphase. Man hat gut gearbeitet und eine hohe Zahl an Ideen erzeugt. Jetzt gilt es die Ergebnisse zu sortieren um einen Überblick zu gewinnen und anschließend nach gemeinsamen Kriterien zu bewerten. Anders als bei der Orientierungsphase ist den meisten die Bedeutung der Auswertung bewusst – kein Wunder, schließlich haben wir das Ziel so kurz vor Augen. Aber gerade deshalb läuft man Gefahr, den sauberen Prozess aus den Händen zu geben. Die Teilnehmer sind nach der Generierungsphase noch stark involviert, sie haben viele neue Ansätze produziert und von den anderen spannenden Input bekommen. Einigen gelingt es bereits sich gedanklich auf die neue Phase einzustellen, andere sind jedoch immer noch dabei mit Ideen zu spielen. Es stellt eine besondere Herausforderung für die Moderation dar, den Prozess jetzt nicht zerfasern zu lassen. Dabei verliert man im Zweifel unnötig Zeit, im schlimmsten Fall bleiben einige Ideen unbeachtet oder mögliche Verknüpfungen von verschiedenen Ansätzen bleiben unerkannt. Nur die Wahl einer eindeutigen und zielgerichteten Methodik führt hier in die richtige Richtung. Die einzelnen Methoden mögen bekannt und naheliegend sein – vom klassischen Clustern, der Punktbewertung bis zu den verschiedenen Bewertungsmatrizen. Wichtig ist es jedoch die gesamte Phase darauf auszurichten, dass hier wieder ein Wechsel im Denken benötigt wird und alle Teilnehmer dafür „eingefangen“ werden müssen. Der Fokus liegt wieder auf Ziel- bzw. Lösungsorientierung – vom Sortieren bis zur Auswahl geeigneter Ideen. Priorisieren und analysieren ist gefragt. Auch hier hilft es die Phase klar von der vorhergegangenen abzutrennen – am einfachsten durch eine Pause. Ein Raumwechsel (oder zumindest die andere Seite des Raums), die Verwendung anderer Pinnwände oder des Whiteboards helfen ebenso. In unserer Agentur verfügen wir dafür über mobile und flexible Pinnwände, um bei entsprechenden Veranstaltungen innerhalb von Minuten ein neues Setting schaffen zu können. Sofern ich systematisch und konsequent gearbeitet habe, schließt sich hier der Kreis und ich kann anhand der aufgestellten Kriterien den Erfolg meiner Arbeit bemessen. Natürlich gelten bei der Auswertung auch wieder andere Regeln als in der Generierungsphase, denn speziell Kritik ist nun ausdrücklich gefragt. Neues steht im Vordergrund und die Auswahl muss mit dem Ziel erfolgen, eindeutige und verwertbare Ideen fortzuentwickeln. Mit einem solch sauberen methodischen Ansatz steht der produktiven Auswertung nichts mehr im Weg. 

  • Überblick gewinnen
  • Teilnehmer fokussieren
  • Konstruktive Kritik
  • Erfolgskriterien überprüfen

Jetzt nur noch umsetzen

Den gesamten kreativen Prozess in den Arbeitsalltag einzubetten, dafür notwendige Freiräume und auch das entsprechende Bewusstsein zu schaffen, stellt für viele eine Herausforderung dar. Für die herausragenden Ergebnisse die er erzeugt, lohnt es sich jedoch diese Herausforderung anzunehmen. Die investierte Zeit wird sich vielfach bezahlt machen und der Prozess wird bei jedem Mal effektiver werden. Dafür sind sauber geplante, methodisch durchdachte Phasen von der Orientierung, über die Generierung bis zur Auswertung der erste Schritt.